"Ich war nicht betrunken. Ich war nüchtern mit Schuss!"
Janara - 24. August, 14:47
Ich frage mich schon lange, warum Handys nicht fliegen können. Dem einen fallen sie aus der Hosentasche, dem nächsten beim Telefonieren aus der Hand, mir fallen sie vom Balkon. Sie fallen - magisch angezogen von der Schwerkraft - auf die Erde, beschleunigen kurz vor der Berührung noch einmal kräftig und, wenn sie letztendlich aufprallen, zerschellen sie in tausend Einzelteile.
Pech, sagt vielleicht der eine oder andere. Ich meine aber, das ist eine Unverschämtheit. Unverschämt, weil Handybetreiber sich strikt weigern, ihren Klingelmaschinen etwas Sinnvolles beizubringen. SMS, MMS, WAP, integrierte Kamera, Radio, MP3-Player, all das können Handys inzwischen sehr gut - wer telefoniert mit diesen Dingern eigentlich noch? Eine vernünftige Funktion fehlt ihnen allerdings noch. Sie können eben nicht fliegen. Noch nicht mal schweben können sie. Und wenn sie sich der Schwerkraft schon nicht entziehen können, warum sind sie dann nicht mit einem Gummi ummantelt, der sie - praktischerweise - von der Erde unbeschadet zurück in die Hand oder in die Tasche (in meinem Fall eben zurück auf den Balkon) schnellen ließe?
Liebe Hersteller, das ist doch DIE Marktlücke schlechthin! Etwas, das noch kein anderes Handy geschafft hat. Etwas, das noch nicht einmal wir Menschen können. Fliegen! Natürlich kann ich auf der anderen Seite verstehen, warum es für Sie sinnvoll ist, Handys so zerbrechlich zu gestalten. So ist immerhin Ihr Umsatz gerettet. Aber wo bleibt dabei der Service? Denken Sie doch einmal an die glücklichen Gesichter der etwas trotteligeren Handybesitzer (wie mich), deren Leid, ständig neue Handys kaufen zu müssen endlich beendet wäre!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit (und natürlich auch dafür, dass Sie diesen offenen Beschwerdebrief als das erkannt haben, was er ist - bloße Satire).
Janara - 21. August, 13:50
Die WM im eigenen Lande haben wir hinter uns gelassen, ebenso die verdopte Tour de France. Die Politiker retten sich ins Sommerloch und auch sonst gibt es nicht viel zu berichten.
Komisch eigentlich, vom Trubel, der Deutschland während der WM erfasst hat, scheint so gar nichts geblieben zu sein. Auf den Straßen grollen einem wieder die selben missmutigen Gesichter entgegen, auf den Kneipenfernsehern läuft wieder MTV oder eine stummgeschaltete Talkshow. Auch auf den heimischen Sofas scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein.
Danke, Alltag, du hast uns wieder! Was haben wir dich doch vermisst! Die Sicherheit der Routine, die ständig gleichen Handgriffe, die wunderbare Belanglosigkeit des Seins. Danke, dass Deutschland nichts gemeinsames zu Feiern hat. Viel besser ist doch der allmorgendliche Streit mit {insert favorite personal name here} und die regelmäßige Hunderunde, während der man kein spontanes Feuerwerk, keine feiernden Menschen auf der Straße und vor allem kein Leben mehr sieht.
Aber gerne erinnern wir uns an die deutschen Tage der legalen Verrücktheit, der legalen Feiern, die durch feiernde Polizisten NICHT aufgelöst wurden. Und irgendwo ganz tief in uns - gut versteckt vor den alltäglichen Gedanken - hoffen wir auf die nächste WM, die nächste Gelegenheit, unsere Freude mit der gesamten Nation zu teilen. Wenn schon nicht mit der ganzen Nation in einer WM, dann doch wenigstens mit guten Freunden! In diesem Sinne: Ein Hoch auf den Alltag und ein höheres Hoch auf seine Unterbrechung!
Janara - 8. August, 22:51
Fünf Männer seh ich
inhaltsschwer -
wer sind die fünf?
Wofür steht wer?
Des ersten Wams strahlt blutigrot -
das ist der Tod
das ist der Tod
Der zweite hält die Geißel fest -
das ist die Pest
das ist die Pest
Der dritte sitzt in grauem Kleid -
das ist das Leid
das ist das Leid
Des vierten Schild trieft giftignaß -
das ist der Haß
das ist der Haß
Der fünfte bringt stumm Wein herein -
das wird der
Weinreinbringer sein.
(c) Robert Gernhardt, zur Deutung eines Gemäldes
Mit Robert Gernhardt starb am Freitag einer der größten Kritiker und Humoristen unserer Zeit. Lange Jahre kämpfte der Titanic-Gründer gegen den Krebs. Im Alter von 68 siegte die Krankheit über den Kämpfer, den Dichter, den Realisten, der die Welt mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen schien. Einst sagte Robert Gernhardt:
"Lieber Gott, nimm es hin,
dass ich was Besondres bin."
Er hatte Recht.
Ein Herz, ein Leib, eine Seele
und doch gespalten wie die Erde,
halb Land, halb Meer,
wo gehör' ich hin, wo komm' ich her?
Eingebrannt in meinen Geist,
Zwei Bilder, zwei Namen, zwei Leben,
Warum kann ich nicht geteilt,
doch Ganz für Beide sein?
Vor langer Zeit gefunden bei der Frankfurter Rundschau als
dpa-Bild der Woche.
Für einen Beitrag über MP3-Downloads aus dem Internet lud sich die BBC den Experten Guy Kewney ein. An sich eine gute Idee. Der Experte wartete auch im Foyer, doch interviewt wurde er nicht.
An seiner Statt folgte Guy Goma dem Interview-Aufruf, ein Bewerber auf eine Stelle in der EDV. Menschlicher Irrtum, der Mann hatte den aufgerufenen Namen als den seinen verstanden. Als er jedoch merkte, dass das Interview nicht etwa ein Vorstellungsgespräch war, sondern eine waschechte Live-Schalte, entglitt im kurz sein Gesichtsausdruck.
Der tapfere Mann klärte jedoch keineswegs den Irrtum auf, sondern stellte sich wacker den Fragen der Moderatorin. Erst nach drei Antworten klärte sich der fatale Irrtum. Was dabei herauskam? Eine lustig anzuschauende
Panne im englischen Fernsehen. Diese hat im Übrigen der "echte" Experte im Foyer der BBC verfolgt - was er bei diesem Anblick wohl gedacht hat?
Ein Monat voller Arbeit,
Ein Monat voller Stress,
Ein Monat ohne Ruhe,
O du schöne Maienzeit.
Hab mir so viel vorgenommen,
Hab doch so wenig Zeit,
Hab ein schlecht' Gewissen:
Diskrepanz zwischen Wort und Tat.
Folglich ist dies eine Ode:
Ode an das schlechte Gewissen,
Ode an die falsche Zeit,
Ode an die untreue Muse.
Wenn sie mich noch immer nicht geküsst,
Wenn ich noch immer nicht gelernt,
Wenn ich noch immer nicht geschrieben,
dann muss es ein Gedicht nun sein.